Bali

Lovina

Der große Traum wird Wirklichkeit

Seit ich denken kann und noch mehr seit ich den Film „Eat Pray Love“ geschaut habe, verfestigte sich der tiefe Wunsch in mir, einmal nach Bali – auf die Insel der Götter und Dämonen zu fliegen. 2013 hatte ich alles für eine vier wöchige Tour durch Bali und Java geplant und wollte zusammen mit einer kleinen Reisegruppe aufbrechen. Doch wie so oft, kam es anders als geplant. So lernte ich ein paar Monate vor der Reise meinen Freund kennen und konnte mir plötzlich keinen Urlaub mehr allein und ohne ihn vorstellen. Zum Glück hatte ich noch nicht gebucht! Und so haben wir ganz spontan beschlossen, zusammen nach Bali zu reisen. Aufgrund seines Jobs war dies aber nur für 2,5 Wochen möglich. Aber ganz gleich wie lang wir dort seid würden – der Traum wird endlich Wirklichkeit!!

Vorfreude auf Indonesien

Nach meiner Aus- und Fortbildung war Bali meine erste Fernreise seit vielen Jahren und das steigerte meine Vorfreude ins Unermessliche! Zunächst besorgte ich mir alles was es an Bildbänden und Reiseführern zu kaufen gab, um optimal vorbereitet zu sein! Für mich ist die Vorfreude einfach die schönste Freude und ich kann von Reisevorbereitung nie genug bekommen. Mein Freund hingegen lässt gern alles auf sich zukommen und wollte sich von seiner ersten Fernreise einfach überraschen lassen. Umso schöner war es für ihn,  als er in der neuen Welt ankam und ihn die Eindrücke überwältigt haben.

Bali

 Mit Singapore Airlines ins 11.700 km entfernte Indonesien

Die Entscheidung mit Singapore Airlines zu fliegen war goldrichtig. Der Flug und der Service waren vom Niveau der Spitzenklasse. Nach einem kurzen Stop an einem der schönsten Flughäfen weltweit, dem Changi Airport in Singapur, ging es dann auf nach Denpasar. Die schwüle tropische Wärme erschlug uns fast, als wir das Flughafengebäude verließen und das, obwohl es mitten in der Nacht war. Wie hatte ich diese heiße Urlaubswärme vermisst! Endlich wieder weit weit weg…! Die Glücksgefühle stiegen immer mehr in mir empor, als wir von einem freundlich lächelnden Balinesen namens „Ketut“ begrüßt und in unser erstes Hotel, das Bali Hyatt, gebracht wurden.

Bali Hyatt

 Warum heißen hier alle Ketut?

Wie wir später erfuhren, hieß fast jeder zweite Mann auf Bali Ketut – naja oder besser gesagt jeder vierte! Der Name Ketut ist sehr häufig in Bali, da die Balinesen ihren Kindern keine wirklichen Namen geben, sondern sie „durchnummerieren“ und so heißt Ketut eben Ketut, weil er der viertgeborene in der Familie ist! Für die ersten drei Kinder haben die Balinesen drei bis vier verschiedene Namensvorschläge zur Auswahl, das vierte jedoch heißt immer Ketut. Die Bedeutung des Namens lässt auf genügend vorhandene Geschwister hinweisen und bedeutet soviel wie „nicht erwartet“ oder „nicht gewünscht“. Nun ja, unser Ketut war bei uns sehr wohl erwünscht!

Ketut im Reisfeld

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Rundreise durch Bali

Begonnen hat unser Trip mit einer wunderbaren Rundreise, an die wir heute noch sehr oft denken. Denn sie hat uns das wahre, authentische Bali mit all seinen Facetten näher gebracht. Und Bali hat wirklich viele Facetten. Unser Reiseführer für die kommenden vier Tage war, nein nicht Ketut, er hieß I Nengah Sukada oder auch einfach Nicki. Nicki trug stets ein FC Bayern Trikot und sprach das beste balinesische Deutsch das ich weit und breit auf der Insel gehört habe. Und Nicki wusste einfach alles und konnte jede erdenkliche Frage über Bali, nein über ganz Indonesien sofort beantworten. Und er liebte es mit deutschen Touristen unterwegs zu sein, denn er war der absolute Inbegriff eines glücklichen Balinesen. Wir können ihn, sein Wissen und seine Hingabe für seinen Beruf absolut empfehlen und würden jederzeit wieder eine Tour mit ihm buchen, denn nur so erfährt man wirklich alleswissenswerte über diese spannende und mystische Insel. Seine Homepage mit Tourbeispielen, findet ihr hier.

Bali Reisterrassen

 Tempel und Kopi Luwak Erlebnisse

Auf unserer Tour besuchten wir zahlreiche Tempelanlagen, von denen es auf Bali mehr als Wohnhäuser gibt. Die schönsten Tempel sind wohl der Muttertempel Pura Besakih, der Meerestempel Tannah Lot und Ulun Danu. Tief beeindruckt hat uns eine Zeremonie, die direkt im Tempel Ulun Danu stattfand. Zu sehen, was die Balinesen alles für ihren Glauben tun und welche Opfergebracht werden, war unfassbar. Aber auch die Schönheit der Kleider und Gewänder hat uns beeindruckt. Natürlich machten wir auch an einer Kaffeeplantage Halt und konnten sogar den „Katzen-Kacke-Kaffe“ Kopi Luwak trinken. Eine besondere Schleichkatzenart, die ausschließlich in Indonesien heimisch ist, frisst Kaffebohnen, verdaut diese und scheidet sie in ihrer ursprünglichen Form wieder aus. Aus den bereits einmal verdauten Bohnen, wird durch die Verdauungssäfte ein ganz besonders gut schmeckender und sogar angenehm duftender Kaffee hergestellt. Wir haben es selbst kaum glauben können, aber er hat wirklich vorzüglich geschmeckt!

Tempel Bali

Tempel Bali

 

Meine Lieblingsstadt – Ubud im Monkeyforest

Wir besuchten außerdem die hübschen kleinen Wasserfälle von Git-Git und natürlich die Künstlerstadt Ubud, in der sich Julia Roberts in Eat Pray Love von Ketut die Zukunft voraussagen lässt. Die Stadt Ubud hat uns wirklich verzaubert, die vielen kleinen Restaurants mit den nationalen Köstlichkeiten wie Nasi Goreng, die leckeren Saté Spieße mit Erdnuss-Sauce oder natürlich hervorragender Fisch und was gab es immer dazu? Natürlich einen Papaya- oder Fresh Watermelon Juice. In Ubud findet man nebe Wahrsagern jede Menge ausgezeichneter Maler und Holzschnitzer. Wir haben mehrere Stunden in einer Werkstatt vergebracht und die Balinesen haben uns ihr Handwerk gezeigt.

Ubud Hotel

Ubud

Julia Bali

Heiß geliebt – ein eigenes Ölgemälde aus Bali!

In Ubud kaufte ich auch mein geliebtes Frangipani Öl-Gemälde, welches ich bis zum Rückflug wie meinen Augapfel gehütet und dann am Flughafen stehen gelassen habe! Ich war tieftraurig um meine wunderschöne Erinnerung. Glücklicherweise konnte unser Reiseführer Nicki mir einige Monate später noch einmal ein ähnliches Bild besorgen und nun hängt es doch in unserem Wohnzimmer- Nicki ist wirklich der Beste! Das Highlight von Ubud waren natürlich die berühmten und immergrünen Reisterrassen, auf denen viele Reisbauern täglich mehr als 10 Stunden in der prallen Sonne arbeiten. Die idyllische und pittoreske Landschaft ziert mein Lieblingsbild der Balireise.

Kunstgalerie Ubud

Tief Schwarze Lava Strände und springende Delphine

Balis Nordküste versprach schwarze Strände und Delfine so weit das Auge reicht -wenn man nur früh genug aufsteht! Davon durften wir uns während der Rundreise, genauer gesagt in Lovina auch überzeugen. Wir standen in der Nacht um vier auf und fuhren kilometerweit in einem kleinen balinesischen Fischerboot (mit Leck) auf das weite Meer hinaus um den schönsten Sonnenaufgang den ich je gesehen hatte, zu bestaunen. Und tatsächlich haben uns ganze Delphinschwärme direkt neben unserem Boot begleitet – es war einfach atemberaubend. Etwas Seetauglich sollte man auf dieser Tour schon sein, aber wir hatten ja immerhin noch kein Frühstück gegessen. Gewohnt haben wir in Lovina im Hotel Puri Bagus Lovina direkt am Strand und mit einem super schönen Pool von dem aus wir einen grandiosen Sonnenuntergang genießen konnten.

Lovina

Lovina

Lovina

Opfergaben am Vukan

Ein weiteres Ziel war einer der beiden noch aktiven Vulkane – der Gunung Batur. Er speit ab und zu ein bisschen Rauch und Asche und die Fahrt nach oben war aufgregend. Jedoch regnete es als wir ihn erreichten und so blieb uns der Blick nach unten leider verwährt. Zum Mittagessen hatten wir dann allerdings First Class Plätze mit direkten Blick auf den größten und heiligen Vulkan Balis – den Gunung Agung mit 3142 m Höhe. Die Balinesen verehren Plätze wie Vulkane, Badestädten ja sogar Bäume und erbringen jeden Tag an jedem Ort Opfergaben, denn gegenüber den Göttern und Dämonen sind eine ganze Menge Dinge zu beachten. Aus diesem Grund haben sich auf Bali die vielen Rituale und Zeremonien entwickelt. Den Mächten möchte man natürlich hinreichend Opfergaben erbringen. Wobei opfern auf Bali nicht im Sinne von “ein Opfer bringen” betrachtet wird sondern eher als “ etwas Überreichen“. Man bietet den jeweiligen Mächten, wie zum Beispiel der Reiskönigin etwas an und bekommt dafür einen Gegenleistung, wie zum Beispiel Schutz, Gesundheit oder eine reiche Ernte. Kleineren Opfergaben in Form von Palmenblättern gefüllt mit Blumen, Salz oder Reis werden teilweise täglich erbracht. Die Opfergaben werden in Schreine, im Haus oder für die Dämonen einfach auf dem Fußboden vor der Tür deponiert. Übrigens bauen Baliensen meist ein Tor vor ihre Wohnhäuser, da Dämonen und Geister nicht um die Ecke gehen können und somit bleiben ihre Häuser vor ungebetenen Eindringlingen bewahrt.

Bali Vulkan

Opfergaben

Zeremonie Bali

Verkehrschaos und Baustellendesaster

Eine Geschichte die Nicki uns über Bali erzählt hatte, wird mir wohl immer im Kopf bleiben. Wie ich schon erwähnt habe, hat Bali viele Facetten. Denn die Insel hat auch Schattenseiten. So gibt es auf der Insel nicht nur wunderschöne Landschaften, sondern auch Folgen des fehlenden Umweltbewusstseins der Einwohner und Touristen. Wenn man sich zwei Wochen in einem Resort in Nusa Dua einquartiert und nicht im Meer baden geht, dann bekommt man von dem großen Problem womöglich nicht all zu viel mit. Sobald man aber sein Hotel verlässt und die Insel erkunden möchte um das reale Bali zu entdecken, wird man schnell mit der traurigen Realität konfrontiert: ein desaströses Verkehrschaos, ein Meer an Rollerfahrern (ohne Helm) und Baustellen, schlechte Infrastruktur und Müll am Straßenrand und vereinzelt auch im Meer.

 Getrübtes Urlaubsglück durch einen Verkehrsunfall

Leider hat es in dem Verkehrschaos auch meinen Freund erwischt, als er die Straße überqueren wollte. Ein Rollerfahrer hat ihn einfach umgefahren. Er hatte jedoch Glück im Unglück und bis auf offene Wunden an den Beinen ist er mit einem großen Schrecken davon gekommen. „Gott sei Dank, das nichts schlimmeres passiert ist!“ denke ich heute manchmal noch, denn die medizinische Versorgung auf Bali war verheerend rudimentär und ich mag nicht daran denken, wenn etwas schlimmeres passiert wäre. Die zweite Urlaubswoche verbrachte mein Freund dann auf Krücken und ich stets an seiner Seite, denn er konnte nicht mehr richtig laufen. So konnten wir dann leider auch nur noch ein paar wenige Ausflüge unternehmen und verbrachten die Tage ausschließlich an Strand und Pool.

Seestern Bali

Bali Wohnhaus

 Alles Yin & Yang ?

Und nun komme ich zu der Geschichte von Nicki: Er sagte stets seufzend in seinem gebrochenen Deutsch zu uns: „Alles ist Yin & Yang – alles Gute hat auch etwas Schlechtes und alles Schlechte hat auch etwas Gutes und so ist es hier mit allem auf Bali“. Damit hatten wir einiges verstanden, aber es hat mich traurig gestimmt. Und dennoch sitzen wir heute oft in unserem Garten und träumen von der schönen Insel der Götter, die doch mehr Gute als Schlechte Seiten hatte! Und irgendwann wollen wir noch einmal nach Bali reisen und die Dinge anschauen, zu denen wir dann leider nicht mehr gekommen sind und Nicki besuchen wir ganz sicher auch nocheinmal.

Bali Einwohner

Bali Einwohner

 

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